NETZ und Regisseur unterstützen Selbsthilfe der Arbeiter aus dem Film
Wetzlar - Mit bloßen Händen zerlegen die Männer riesige Frachtschiffe am Sandstrand von Bangladesch, einer der größten Abwrackzonen der Welt. Der deutsch-bangladeschische Filmemacher Shaheen Dill-Riaz hat die “Eisenfresser” mit seiner Kamera in Schlick und Schiffswracks begleitet. Am 5. Mai zeigt der Fernsehsender ARTE um 21 Uhr die mehrfach preisgekrönte Dokumentation. “Es ist die unglaubliche Nähe zu den Arbeitern, die den besonderen Blick des Films ausmacht”, begründet das Festival “New Berlin Film Award” die Auszeichnung des erschütternden Werkes als besten Dokumentarfilm 2008. Inzwischen hat die Menschenrechtsorganisation NETZ Bangladesch gemeinsam mit dem Regisseur die Hilfsarbeiter aus den unwürdigen Bedingungen herausgeholt.
Riazur ist einer der Seilträger, die Dill-Riaz porträtiert, um in seinem Film “Eisenfresser” die menschenverachtenden Bedingungen in der Abwrack-Industrie Bangladeschs zu zeigen.
Barfuss, das schwere Stahlseil auf den Schultern, watet Riazur durch knietiefen Schlick. Zusammen mit anderen Arbeitern verbindet er Schiffsteile mit der Seilwinde, um sie an Land zu befördern. Immer wieder schneiden sich die Seilträger an rostigen Schrottsplittern, die im Schlamm liegen. Riazur erledigt einen der gefährlichsten und härtesten Jobs in der Abwrack-Zone. Täglich riskiert er sein Leben, um ausrangierte Öltanker und Luxus-Liner aus der ganzen Welt zu verschrotten. Wie alle Hilfsarbeiter wartet er oft vergeblich auf seinen ohnehin geringen Lohn. Wie alle seine Kollegen ist er sich der gnadenlosen Ausnutzung nur allzu bewusst, aber trotz Wut im Bauch hat er keine Aussicht, dem Verhängnis zu entkommen. Und wie alle Protagonisten des Films träumt er davon, für immer der Abwrack-Zone den Rücken zu kehren und sich in seiner Heimat im Norden Bangladeschs eine eigene Existenz aufzubauen.
Durch das Entwicklungsprogramm “Ein Leben lang genug Reis” von NETZ erhielt Riazur jetzt die Chance dazu. Regisseur Shaheen Dill-Riaz und Produzentin Kathrin Lemme steckten die Honorare, die den “Eisenfressern” für die Dreharbeiten zustanden, in das Projekt: In ihren Heimatdörfern erhielten die Arbeiter Kühe, Ziegen oder Hühner, um eigenes Einkommen erwirtschaften und ihre Familien ernähren zu können. Zudem schütteten sie mit der Dorfbevölkerung ein Flutschutz-Areal auf, um vor Überschwemmungen gewappnet zu sein. Denn mitten durch Riazurs Heimatdistrikt Kurigram fließt der zehn Kilometer breite Brahmaputra; die regelmäßig auftretenden Fluten und die damit einhergehende Hungersnot zwangen die Männer bisher jedes Jahr, ihre Heimat zu verlassen und Geld in der Abwrack-Zone zu verdienen.
Insgesamt erreicht NETZ mit seinem Programm “Ein Leben lang genug Reis” derzeit 13.457 der ärmsten Familien in Bangladesch und bewirkte die Aufschüttung von zehn Flutschutz-Arealen. “Sicherheit und regelmäßiges Einkommen, das die Menschen im Norden jetzt erhalten, ist die beste Alternative zu ausbeuterischer Arbeit,” ist NETZ-Projektkoordinator Peter Dietzel überzeugt, “denn es ist die Armut, die Menschen wie die ‘Eisenfresser’ täglich zwingt, ihr Leben in menschenverachtenden Arbeitsverhältnissen zu riskieren.” Und er fügt an: “Riazur und seine Kollegen müssen nun nie wieder Eisen fressen”.
Die Menschenrechtsorganisation NETZ Bangladesch informiert ausführlich über die machtvolle Abwrack-Industrie in Bangladesch und die unmenschlichen Arbeitsbedingungen. Alle Infos - auch über die Selbsthilfe der Hilfsarbeiter aus dem Film - gibt es auf:
www.bangladesch.org/eisenfresser
Presse-Kontakt:
NETZ Bangladesch
Peter Dietzel
Moritz-Hensoldt-Str. 20
35576 Wetzlar
GERMANY
Telefon: 06441 / 26585
eMail: dietzel@bangladesch.org
www.bangladesch.org
Hinweis: Für den Inhalt dieser Presse-Information ist ausschließlich deren Emittent verantwortlich. Bei Fragen zum Release-Net wenden Sie sich bitte an buero@release-net.de.