Pseudowissenschaftliche Gefälligkeitsstudie
Duisburg - Derzeit findet eine Studie des WSI der Hans Böckler Stiftung Beachtung, welche sich angeblich mit der „Tarifkonkurrenz der Gewerkschaften zwischen Über- und Unterbietung“ auseinander setzen will. Die Studie wurde im Heft „Sozialer Fortschritt, Heft 6, Juni 2008“ veröffentlicht.
Darin wird im Zusammenhang mit den Christlichen Gewerkschaften von „ verdeckter Tarifflucht“ geschrieben und die „Gewerkschaft der Neuen Brief- und Zustelldienste (GNBZ)“ in den Zusammenhang mit den C-Gewerkschaften gestellt.
Diese Studie ist nicht nur grob unwissenschaftlich, sie verfälscht die Realitäten entweder durch Unterlassung oder durch gezielte Falschinformationen.
Zunächst ist es blanker Unsinn, die „GNBZ“ in einen Zusammenhang mit den Christlichen Gewerkschaften zu bringen, denn diese Vereinigung hat mit dem CGB und den CGB-Gewerkschaften nichts zu tun. Weiterhin kann der Vorwurf der „Tarifflucht“ im Zusammenhang mit den Tarifabschlüssen der Christlichen Gewerkschaften durch nichts begründet und bewiesen werden, vielleicht wird gerade deswegen in der „Studie“ auch von der „verdeckten Tarifflucht“ gesprochen. In der Realität aber ist genau das Gegenteil der Fall. In weiten Bereichen des Handwerks in Deutschland sind es alleine die Christlichen Gewerkschaften, die Tarifverträge abschließen. Die Alternative dort wäre alleine der tariflose Zustand oder „Gefälligkeitstarifverträge“ von DGB-Gewerkschaften, welche zu schwach sind, um in diesen Bereichen eigenständig zu handeln.
Dabei wird verschwiegen, dass alleine im Tischlerhandwerk in Deutschland das niedrigste Tarifniveau dort besteht, wo die IG-Metall noch Verträge vereinbart, nämlich im Saarland und in Baden-Württemberg. In allen anderen Tarifbereichen sind die Christlichen Gewerkschaften zuständig. Von „Flucht“ kann da keine Rede sein. Im NRW-KFZ-Gewerbe hat die IG-Metall auf einen Tarifabschluss der CGM martialisch mit „Häuserkampf“ gedroht, hat dann aber in weniger als 1 Prozent der dortigen Betriebe Tarifverträge vereinbart, welche erhebliche Einschnitte bei den Sonderzahlungen vorsehen oder sogar deckungsgleich sind mit dem CGM-Flächentarifvertrag.
Die „Studie“ weicht der Frage, was denn passieren würde, wenn sich die Christlichen Gewerkschaften nicht mehr um bestimmte Bereiche kümmerten, ebenso aus wie der schlichten Frage, woran es denn liegt, dass die DGB-Gewerkschaften gerade diese Bereiche aufgegeben haben. Dennoch spricht die „Studie“ von einem „Aufstieg“ in den Kreis der „durchsetzungsfähigen Konkurrenzgewerkschaften“, welcher „keineswegs einfach“ sei. Damit meint sie wohl den DGB. Genau der aber hat in weiten Bereichen von Handwerk, Dienstleistung und Industrie nichts mehr zu bestellen.
Schließlich will die Studie festgestellt haben, dass die C-Gewerkschaften in der Industrie „keine Rolle spielen“ . Auch das ist falsch! Mit dem Tarifwerk „Phönix“ hat die CGM gerade in der Metall- und Elektroindustrie in Sachsen und Thüringen richtungweisende Tarifverträge auf den Weg gebracht, um nur ein Besipiel zu nennen.
Und überhaupt keine Rolle in der „Studie“ spielt die Tatsache, dass es 670 DGB-Tarifverträge gibt, welche Unterhalb der vom DGB selbst gezogenen Mindestgrenze von 7,50 Euro/Stunde liegen. Demgegenüber gibt es rund 3000 originäre Tarifverträge der CGM, von denen kein einziger in den unteren Bereichen der einschlägigen Tabellen zu finden ist.
Fazit: Die „Studie“ des WSI der Hans Böckler Stiftung ist eine reine Gefälligkeitsstudie, welche in der aktuellen Auseinandersetzung die Positionen gegenüber den C-Gewerkschaften wissenschaftlich untermauern soll. Sie wird derzeit verbreitet, um Stimmung zu machen unter dem Deckmantel der Wissenschaft. Mit seriöser Wissenschaft hat diese „Studie“ aber nichts zu tun!
Hintergrund:
Der Landesverband NRW des Christlichen Gewerkschaftsbundes CGB ist mit rund 44.000 Mitgliedern der drittgrößte Gewerkschaftsverband im Bundesland . Bundesweit zählen die im CGB zusammengeschlossenen Christlichen Gewerkschaften rund 300.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Spitzenorganisation ist der Christliche Gewerkschaftsbund Deutschlands. Die Christlichen Gewerkschaften vertreten Beschäftigte aller Branchen und Dienstleistungen und des öffentlichen Dienstes. Sie stellen Mitglieder In Betriebs- und Aufsichtsräten, ehrenamtliche Richter/innen der Arbeits- und Sozialgerichtsbarkeit und sind in den Selbstverwaltungen der gesetzlichen Sozialversicherung vertreten. Für einige Christliche Gewerkschaften stand die Wiege im Ruhrgebiet. So wurde die Christliche Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie im Jahr 1894 in Essen gegründet, die heutige Christliche Gewerkschaft Metall (CGM) Im Jahr 1899 in Duisburg. Duisburg Ist heute der Sitz des CGB-NRW, sowie der Berufsgewerkschaft DHV und des CGM-Landesverbandes. Sitz des CGB-Bundesverbandes ist Berlin, die CGM sitzt in Stuttgart, die Berufsgewerkschaft DHV in Hamburg und die Gewerkschaft öffentlicher Dienst und Dienstleistungen in München. Wichtige CGB-Organisationen haben ihren Sitz in NRW. So die Lehrerinnengewerkschaft VkdL in Essen, die Christliche Gewerkschaft Postservice und Telekommunikation und die Gewerkschaft Union Ganymed In Bonn. Die Christlichen Gewerkschaften sind Tarifvertragsparteien In den bedeutendsten Branchen, des Handwerks und der Industrie.
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